26 Apr. EM Batumi: Gold, Bronze und wichtige Erkenntnisse vor Olympia-Qualifikation
Der Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG) reist mit zwei Medaillen und einer Vielzahl an wichtigen Erkenntnissen von den Europameisterschaften in Batumi/Georgien ab. Für den Höhepunkt sorgte Lisa Marie Schweizer am Mittwoch in der Klasse -69kg. Die 30-Jährige gewann in einem Spitzenwettkampf Gold im Reißen und Bronze im Zweikampf. Schweizer siegte im Reißen mit einer persönlichen Bestleistung von 109 kg und drei gültigen Versuchen. 122 kg im Stoßen bescherten der Athletin vom AV 03 Speyer in der Addition 231 kg und Bronze.
„Ich wollte zwar mehr, aber ich bin einfach nur überglücklich. Nach der Verletzung zurückzukommen und heute Gold im Reißen sowie Bronze im Zweikampf zu holen, bedeutet mir unglaublich viel. Danke an mein Team – ohne euch wäre das nicht möglich gewesen“, betont Schweizer. Die gebürtige Schwedterin, die verletzungsbedingt auf die WM 2025 in Førde/Norwegen verzichten musste, hatte sich bei der EM 2025 in Chișinău/Republik Moldau Bronze im Reißen (-71kg) erkämpft. 2022 hatte sie sich ebenfalls Gold im Reißen bei der EM in Tirana/Albanien gesichert.
„Lisa Marie hat ein ganz hervorragendes Bild abgegeben und ist mit einem technisch perfekten Reißen verdient Europameisterin geworden“, hebt BVDG-Sportdirektor Michael Vater hervor. „Die Ergebnisse und Eindrücke dieser Meisterschaft haben deutlich gezeigt, dass unser Weg Richtung Los Angeles kein einfacher sein wird. Das Leistungsniveau innerhalb Europas ist insgesamt spürbar angestiegen. Genau diese Entwicklung brauchen wir, um uns im internationalen Vergleich weiter zu behaupten und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche, im Oktober 2026 beginnende, Olympia-Qualifikation zu schaffen“, sagt Vater: „Diese Europameisterschaft war für uns ein wichtiger Schritt – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Jetzt gilt es, die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen, eine Schippe draufzulegen und den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen, um die weitere notwendige Leistungssteigerung zu zeigen.“
„Die Europameisterschaften 2026 hatte ein höheres Niveau als die Europameisterschaften in den letzten Jahren. Das spiegelt sich auch in unserer Medaillenausbeute wider. Ich finde, dass wir als Team in Batumi gut aufgetreten sind, auch wenn nicht alles aufgegangen ist, was wir uns gewünscht hätten. Es waren ein paar sehr gute Ergebnisse dabei und auch Bestleistungen. Jedoch auch Dinge, die besser hätten laufen können und müssen. Wir haben zum Beispiel im Stoßen insgesamt zu viele ungültige Versuche produziert“, sagt Bundestrainer Almir
Yekta Jamali verpasste bei ihrem BVDG-Debüt am Donnerstagabend in der Klasse -77kg eine Medaille. Die 21-Jährige, die im Februar die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten hatte, erkämpfte sich bei ihrer EM-Premiere trotz nur zwei gültiger Versuche Platz sieben im Zweikampf mit 229 kg. 103 kg im Reißen und 126 kg im Stoßen bedeuten für sie am Ende jeweils Rang neun. „Ich habe bei meinem Deutschland-Debüt heute leider nicht meinen besten Tag erwischt. Leider konnte ich im letzten Stoßversuch nicht mehr um eine Medaille kämpfen, da ich Krämpfe hatte“, sagt Jamali. Die gebürtige Iranerin hatte während der JuniorInnen-WM im Mai 2022 in Griechenland die Flucht ergriffen und in Deutschland Schutz gefunden. Jamali wurde als Flüchtling anerkannt und trainiert seitdem gemeinsam mit den Kader-AthletInnen des BVDG unter Bundestrainer Almir Velagic.
Lara Dancz, die bei ihrem EM-Debüt 2024 in Sofia/Bulgarien Silber im Reißen und Bronze im Zweikampf (-76kg) hatte, kämpfte sich in der Klasse bis -77kg in die Top 10. In einem starken Wettkampf im Reißen steigerte sie ihre persönliche Bestleistung um zwei kg auf 109 kg und holte sich damit Platz fünf. Im Stoßen erreichte Dancz mit einem gültigen Versuch von 115 kg Rang 22. „Die Leistung von Lara Dancz im Reißen war außerordentlich beeindruckend“, lobte Vater.
Lucas Müller hatte sich zuvor in der Klasse -88kg mit 350 kg Platz neun im Zweikampf erkämpft und im Stoßen nur knapp eine Medaille verpasst. Der 22-Jährige zeigte mit drei gültigen Versuchen und 155 kg im Reißen eine starke Leistung und wurde Elfter. Im Stoßen holte er sich mit 195 kg Rang sechs. Im letzten Versuch der zweiten Teildisziplin scheiterte Müller nur knapp an 202 kg, die Gold bedeutet hätten.
U23-Europameisterin Antonia Ackermann wurde aus der B-Gruppe -69kg heraus bei ihrem zweiten EM-Wettkampf 16. mit 209 kg. Mit 94 kg im Reißen wird sie 15. Im Stoßen bedeuten 115kg Platz 19.
Roberto Gutu, WM-Dritter 2024 im Reißen und Europameister 2025 im Reißen (beides -73kg), erkämpfte sich aus der B-Gruppe -79kg heraus einen neunten Platz mit 328 kg im Zweikampf. Im Reißen wurde der 25-Jährige mit 150 kg Zwölfter, im Stoßen belegt er mit 178 kg Rang zehn.
Zum Auftakt am Montag hatte sich Annika Pilz in der Klasse -58kg zwei Top-10-Platzierungen geholt. Die 23-Jährige wurde mit einem gültigen Versuch von 83 kg im Reißen Zwölfte. Im Stoßen erkämpfte sich die Athletin vom TB 03 Roding bei ihrem zweiten EM-Auftritt mit 106 kg Platz sieben, was im Zweikampf mit 189 kg insgesamt Rang acht bedeutet.
Raphael Friedrich verpasste zum Abschluss am Freitag in der Klasse -94kg eine Medaille und wurde mit 359 kg Vierter im Zweikampf. Der 25-Jährige holt sich in einer hochkarätig besetzten Konkurrenz mit drei sauberen Versuchen im Reißen den vierten Platz mit 165 kg. Im Stoßen bringt er lediglich den ersten Versuch mit 194 kg zur Hochstrecke und erreicht Platz fünf. Friedrich hatte sich 2025 in Chișinău/Republik Moldau zum Doppel-Europameister (-89kg/Stoßen und Zweikampf) gekrönt.
Weiter geht es für die Kader-AthletInnen des BVDG bei der WM in Ningbo/China (27. Oktober bis 08. November). Es wird der erste von insgesamt zehn Qualifikations-Wettkämpfen für die Olympischen Spiele in Los Angeles (25. bis 29. Juli 2028, Peacock Center). Bei den Frauen wird in Los Angeles in den sechs Gewichtsklassen -53kg, -61kg, -69kg, -77kg, -86kg und +86kg um Medaillen gekämpft. Bei den Männern sind die Klassen -65kg, -75kg, -85kg, -95kg, -110kg und +110kg olympisch. Die neuen Gewichtsklassen treten am 01. August 2026 in Kraft und gelten dann für alle IWF-Wettkämpfe.
Die Olympia-Qualifikation ist in zwei Perioden aufgeteilt: Periode 1 besteht aus sechs Wettkämpfen, aus denen die drei besten Zweikampf-Ergebnisse addiert werden. In Periode 2 sind es vier Wettkämpfe, aus denen die zwei besten Wettkämpfe hinzuaddiert werden. Daraus ergeben sich in Addition fünf Wettkampf-Ergebnisse. Die besten acht HeberInnen jeder Gewichtsklasse mit dem höchsten addierten Gesamtgewicht in jeder olympischen Gewichtsklasse qualifizieren sich. Pro NOK können sich bis zu drei Männer und drei Frauen qualifizieren.
„Für die kommenden Wettkämpfe wird es nun entscheidend sein, die richtigen methodischen Schlussfolgerungen aus diesen Erfahrungen zu ziehen. Darauf aufbauend müssen wir unsere Strategien gezielt weiterentwickeln und die Vorbereitung für die infrage kommenden Athletinnen und Athleten entsprechend anpassen“, sagt Vater.